FAQs - häufige Fragen zum Fach Latein

von Holger Behnke

Latein – eine tote Sprache?



 

Zugegeben: Latein wird nicht mehr gesprochen – mit einigen zu vernachlässigenden Ausnahmen wie z.B. im Gegensatz zu einem finnischen Nachrichtensender auf Lateinisch. Aber in Gegensatz zu anderen Sprachen vergangener Zeiten, können wir das Lateinische heute noch verstehen und es gibt genügend lateinische Texte, die alle Aspekte des menschlichen Lebens abdecken: und zwar nicht nur Texte aus dem „alten Rom“, sondern bis in die Neuzeit hinein.
 

Welches Schulbuch wird benützt – und warum?

 

Wir benutzen „actio“ aus dem Klett-Verlag. Die Schüler benötigen nur ein Schulbuch, weil sie in einem Band alles versammelt finden: Lektionstexte, abwechslungsreiche Übungen, Grammatik und Wortschatz. Das hilft, den Schulranzen etwas zu „entrümmpeln“. „Actio“ hat die Anzahl der Lektionen reduziert und dafür die einzelnen Lektionstexte verlängert. Die Schüler können sich dadurch die neue Grammtik selber entdeckend erarbeiten. Die neue Grammatik und der neue Wortschatz wird zudem in den Texten immer wieder aufgegriffen und somit durch die Wiederholung eingeübt. Die Texte selbst führen ausgehend von der Alltagserfahrung der Kinder in das Leben und die Kultur des alten Roms ein.
 

Findet der Unterricht auf Lateinisch statt?
 

Nein, Unterrichtssprache ist Deutsch.
 

Müssen die Schüler lateinische Aufsätze schreiben?



 

Im Mittelpunkt des Unterrichts steht (ganz allgemein) das Übersetzen und die inhaltliche Auseinandersetzung mit den lateinischen Texten. Dazu müssen die Schüler in der Lage sein, lateinische Formen und grammatische Konstruktionen zu erkennen. In Übungen zur Grammatik müssen die Schüler ihr Wissen um die lateinische Sprache auch aktiv anwenden, indem sie bestimmte lateinische Formen bilden, Lückentexte ausfüllen usw. Das ist aber meilenweit von eigener Textproduktion entfernt, wie sie noch vor 100 Jahren verlangt wurde.

 


Wie sieht es mit den Wahlmöglichkeiten in der 8. Klasse aus?
 

In der 8. Klasse können die (Latein-)Schüler entweder NWT oder Französisch als dritte Fremdsprache belegen (sofern sich genügend Schüler für letztere entscheiden).

Wie entwickelt sich der Lateinunterricht durch die Schuljahre? – Arbeiten die Schüler bis ins Abitur nur mit dem Lehrbuch?

Das Schulleben eines Lateinschülers teilt sich in zwei Teile (vita est omnis divisa in partes duas...): In die „Spracherwerbsphase“ der Klassen 5-8, in denen er mittels Actio 1+2 die lateinische Sprache erlernt, und die „Lektürephase“, in der die Beschäftigung mit altersgemäßen lateinischen Orginaltexten im Vordergrund steht. Grammatik und Wortschatz werden bei Bedarf wiederholt, gefestigt und nur noch unwesentlich ausgebaut. In den Klassen 11 und 12 haben die Schüler dann die Möglichkeit, einen 4-stündigen Lateinkurs im Abitur zu belegen, sofern eine gewisse Mindestanzahl an Schülern gewährleistet ist.
 

Was wird als Lektüre gelesen?

In lateinischen Texten geht es doch nur um Krieg und um Truppen, die von links nach rechts marschieren und wieder zurück ... so könnte man meinen. Aber lateinische Texte haben viel mehr zu bieten. Hier eine kleine Auswahl von Texten, die in verschiedenen Altersstufen gelesen werden können: „Liebe hinter Masken“: eine Liebesgeschichte aus der Renaissance, für die sich ihr Autor Papst Pius II. noch lange schämte, die aber für die Schüler einen gelungenen Einstieg in die neue Welt der lateinischen Lektüre bietet.

Martial, „Epigramme“: kleine Gedichte über die menschlichen Schwächen, aber auch die großen Themen des Lebens und alltäglichen Nöte eines Dichters.

Seneca, „Briefe“: philosophische Texte über die Frage, wie man sein Leben richtig führen und mit den Unwägbarkeiten des Schicksals umgehen soll.

Catull, „Gedichte“: Gedichte über die Liebe: von „himmelhochjauchzend“ bis „zu Tode betrübt“.

Terenz, „Andria“: eine Komödie über die Frage, was man als junger Mensch tun soll, wenn die Eltern mal wieder nicht so wollen, wie man selbst – und welche Komplikationen entstehen, wenn man sich dabei auf einen Sklaven verlässt.

Amerigo Vespucci: „de mundo novo“: ein Text des Autors, der Amerika seinen Namen gab: über die gefahrvolle Überfahrt von Europa nach Amerika und die Sitten und Gebräuche der Ureinwohner, die man dort fand, einschließlich ihrer – angeblichen – kulinarischen Vorliebe für ihre Nachbarn.

Ovid, „ars amatoria“: ein unverzichtbarer Ratgeber in der Pubertät: wo finde ich Mädchen, wie spreche ich sie an, wie gewinne ich sie für mich, was muss ich auf einer Party beachten...

Phaedrus, „Fabeln“: bekannte Fabeln in lateinischem Gewande – mit Wiedererkennungswert für die Schüler.

Darüber hinaus sind auch Sachthemen möglich – zu denen dann passende Texte gesucht werden, z.B. „Sklaverei“, „rechtliche Stellung von Frauen in Rom“. Oft bietet sich bei oben genannten Texten ein kleiner Schlenker zu Sachthemen an.

Und nicht zu vergessen die großen Schriftsteller Caesar, Sallust und der Redner Cicero, über welchen Robert Harris vor wenigen Jahren einen spannenden Thriller geschrieben hat.

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